Auf der Schwarzen Elster - Ostern 2006
 
Anreise nach Hoywoy
Zum Senftenberger See
Um den See bis Biehlen
Von Biehlen zur Neumühle
Bis hinter Herzberg
Das Ziel Elster/Elbe
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Eine Meldung in der Zeitung schreckte mich auf: Der Landkreis Elbe-Elster plant den Ausbau der Schwarzen Elster für Paddler und will im selben Atemzug die Befahrung ab diesem Jahr angeblich „mautpflichtig“ machen. Damit stand für mich fest, die schon länger geplante Befahrung vorzuziehen und es, so das Wetter mitspielt, schon diese Ostern durchzuziehen. Eigentlich sollte es schon Gründonnerstag, den 13.4.06 losgehen. Ich hatte mich noch einmal mit Thomas konsultiert, der die Befahrung 2002 von Elsterwerda bis Arnsnesta auf 43 Km vorgenommen hatte und mir eigentlich auf Grund der Wasserqualität von einer Befahrung ab Hoyerswerda abriet. Insgesamt schätzte ich ein, dass etwa die doppelte Strecke herauskommen könnte, jedoch fehlte mir für eine genauere Planung die Zeit. Da deswegen auch der Donnerstagabend als Abfahrttermin ins Straucheln geriet, orientierte ich mich inzwischen auf den Morgen des Karfreitags. Nachdem am Vorabend alles verpackt wurde starteten wir, Marion und ich, Karfreitagmorgen in Richtung Hoyerswerda, um uns erst einmal ein Bild der Lage zu machen. Zu unserem Glück beginnt der Tag relativ freundlich. Es ist zwar kühl, aber trotzdem kommt ab und an die Sonne durch. An der Kreuzung zur Altstadt biegen wir rechts in Richtung Senftenberg ab und wenig später auf einen ausgediente Strasse nach Brück. Dort findet sich auch eine Treppe als idealer Einsatzpunkt. Wir laden das Boot ab und das Gepäck aus. Anschliessend fahre ich das Auto ins nahe gelegene Wohngebiet und stelle es an der Strasse ab, laufe zurück und nachdem alles im Boot verstaut ist, geht es endlich um elf los. Thomas’ Einschätzung von vor vier Jahren zur Wasserqualität entspricht zum Glück nicht mehr den Tatsachen. Zwar sind reichlich Schwebstoffe im Wasser, aber man kann selbst hier bei rund 50 cm Wassertiefe fast bis zum Grund sehen, von bräunlicher Färbung zum Glück keine Spur, eher erinnert es an die Spree. Schnell ziehen Wolken über uns dahin und das Wechselspiel von Licht und Schatten begleitet uns die nächsten Kilometer.

 


 
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Wenig später kommt rechter Hand ein Dorf in Sicht, davor eine Hochspannungsleitung quer über den Fluss und vor uns künstlich angehäufte Steine – eine Sohlschwelle – die uns mit lautem Rauschen vorwarnt. Wir landen am linken Ufer an und ich sehe mir die ganze Sache erst einmal an. Kurzerhand entschliesse ich mich, das Hindernis zu befahren. Erst am rechten Ufer entlang und dann diagonal querend zum linken Ufer passieren wir das gischtende Hindernis. Ein wenig Wasser nehmen wir trotzdem über, aber alles bleibt im Rahmen. Unspektakulär, wenn auch immer wieder von heftigen Windböen unterbrochen, steuern wir dem nächsten Etappenziel, dem Wehr in Neuwiese, entgegen. Wir legen am linken Ufer an und ich begutachte erst einmal das Wehr und wie man es am besten passieren kann. Letztendlich treidele ich das Boot links unter der Strassenbrücke hindurch und ziehe es bis kurz vor das Wehr. Hier hieven wir es aus dem Wasser mitsamt Gepäck und ziehen es die rund fünf Meter über die Wiese, um es kurz darauf wieder zu Wasser zu lassen. Insgesamt bin ich recht froh, dass das Frühjahrshochwasser gerade vorbei ist und der Fluss anscheinend auch noch nicht ganz seinen normalen Pegelstand erreicht hat, was uns auch im weiteren Verlauf von Vorteil sein sollte. Vorerst steuern wir einem Waldgebiet entgegen und legen einige Kilometer weiter an einem künstlichen Abfluss an. Kurze Mittagsrast und ich sehe mich etwas um, entdecke dabei, dass wir uns am Einspeisungspunkt für das Tagebaurestloch Bluno befinden und nehme auf der anderen Strassenseite einen Blick auf den entstehenden See. Zurück am Boot lassen wir uns unseren Mittagsimbiss schmecken und kurz darauf nähert sich urplötzlich ein Regenschauer und wir beeilen uns die Regenhosen überzuziehen. Doch der Spuk ist schnell vorbei. Der Wind bleibt mit scharfen Böen ein ständiger Begleiter und erschwert das vorankommen. Doch bald nähern wir uns der nächsten Sohlschwelle hinter einer Strassenbrücke, die dreistufig abfällt und ich mich dann doch eher fürs Treideln des Bootes entscheide. Nur wenig später unter einer nicht mehr ganz neuen Brücke wieder etwas verblocktes Gelände, das sich aber relativ unspektakulär passieren lässt. Die nächste zweistufige Sohlschwelle treideln wir wieder, wobei ich der Meinung bin, dass sich alle bei diesem Wasserstand befahren lassen, sofern man bereit ist, beim Kanadier unter Umständen etwas Wasser überzunehmen und es annehmbare Temperaturen hat, wo nass gewordenes auch wieder trocknet, was diese Ostern nicht unbedingt der Fall war. Auch die nächste Sohlschwelle treideln wir wieder, was problemlos gelingt. Für uns die Gelegenheit für eine weitere kurze Rast. Hinterm Deich findet sich ein Bauerngrundstück und in weiterer Entfernung der Blick auf einen ebenfalls im entstehen begriffenen See eines ehemaligen Tagebaus. Bei Kleinkoschen, etwa anderthalb Kilometer vorm Senftenberger See, das nächste Wehr. Rechts eine Kleingartenkolonie mir einer Asphaltstrasse, auf der man Umtragen kann. Aus- und Einstieg sind auf Grund der relativ steilen Uferböschung etwas mühselig. Hinterm Wehr scheint die Elster wie verwandelt und ähnelt mehr einem schmalen Bach, denn einem Fluss und es soll noch schlimmer kommen….

 

 
  Um den See bis Biehlen
 
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Wenig später erreichen wir den Senftenberger See und halten kurz an der Strassenbrücke von ………….., wo ich aussteige, auf die andere Strassenseite der B… laufe und einen Blick auf den See nehme. Wenig später kommen recht und links Mauern in Sicht. Wir treideln das Boot über den kurzen Hupfer und setzen unsere Fahrt auf dem immer schmaler und verwucherter werdenden Flussabschnitt um den Senftenberger See fort. Ich stelle mir mit grausen vor, wie es hier im Sommer, bei niedrigerem Wasserstand und voll bewachsen aussieht. Der verwucherte Flussabschnitt mit seinen recht und links wuchernden Röhrichtflächen ist schon jetzt eine Zumutung und Quälerei. Eine gerade mal etwas breitere, als das Boot messende Fahrrinne, schlängelt sich auf den nächsten Kilometern bis kurz vor der Niederlassung von Vattenfall dahin. Hier ein relativ neues Wehr, das man am Besten rechts, wenn auch mit etwas Mühe, umträgt. Hinterm Wehr ist der Fluss sehr verlandet und man tut gut daran, noch die Fussgängerbrücke über die Sonoer Elster zu queren und erst hinter ihrem Zufluss das Boot wieder einzusetzen. Immerhin hat man einen guten Blick auf die schmucklose Firmenzentrale von Vattenfall, einem Betonklotz im Stil der siebziger Jahre Architektur. Von künstlich planierten Ufern begleitet, paddelt man durch Senftenberg und erreicht bald darauf, einige Brücken unterquerend, Brieske, sozusagen einen Vorort von Senftenberg. Langsam sinkt die Sonne und wir denken über unser Nachtlager nach. Kurz vor einer Eisenbahnbrücke kommt eine harmlos wirkende Sohlschwelle und wird uns zum Verhängnis. Das Boot setzt in Flussmitte auf. Bange Minute quälen wir uns das Boot Zentimeter um Zentimeter über die Betonschwelle zu schieben – ohne Erfolg. Letztendlich gelingt es uns, das Boot quer zu legen und es mit dem Heck näher zum Ufer zu bringen, so dass ich auf das schmale Deck steigen und ans Ufer springen kann. Ich kann nun Marion samt Boot ans Ufer ziehen und nachdem sie ausgestiegen ist, kann ich das Boot über die Untiefe ziehen. Kurz hinter einem linksseitigen Zufluss strudelt es etwas kurz vor einer Eisenbahnbrücke, was wir, da wir ohnehin an „Land“ sind, mit Treideln umgehen. In der Ferne sieht man die Strassenbrücke nach Biehlen und wir entschliessen uns im Schutz einiger Sträucher und Bäume unser Nachtlager am rechten Flussufer aufzuschlagen. Nur das Ausbooten ist auf Grund der steilen Ufer nicht ganz einfach, aber irgendwie schaffen wir auch das, zumal es inzwischen kurz vor sieben ist und der Wind immer mehr auffrischt. Ich versuche mühsam bei dem Wind den Einmalgrill in Gang zu bekommen, was nicht so recht gelingen will. Mit viel Mühe klappt es doch noch und wir lassen uns unsere Grillwurst und die Steaks schmecken. Ein heisser Tee mit Rum tut an so einem kaltem Abend sein übriges – also uns gut, bevor wir in die Schlafsäcke schlüpfen.

 

 

 

  Von Biehlen zur Neumühle

 

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Der nächste Morgen weckt uns mit Sonne. Trotz allem komme wir nach Frühstück und Morgentoilette erst gegen neun los, unterqueren die Strassenbrücke von Biehlen und nähern uns Ruhland. Davor eine Eisenbahnbrücke, kurz dahinter ein Wehr und rechts eine Industrieanlage der BASF. Das Wehr lässt sich am Besten links umtragen. Kurz vor Ruhland noch einmal unter einer weiteren Eisenbahnbrücke verblocktes Gelände, das bei Niedrigwasser durchaus Probleme bereiten kann. Dann kommt die Strassenbrücke von Ruhland und kurz darauf die pinkfarbene Bande der Autobahnbrücke der A13 in Sicht, die wir wenig später queren. Zu unserem Leidwesen folgen jetzt lange, äusserst lange und eintönige, kanalartige Flussabschnitte, wo man sich bereits über jede Abwechselung in Form von Brücken freut. Nach schier endlosem Paddeln erreichen wir Plessa, das sich mit seinen zwei riesigen Schornsteinen schon von weitem ankündigt. Wir passieren die Elstermühle und legen kurze Zeit später an, so dass ich an den Radwegwegweisern die Entfernung bis Elsterwerda ablesen kann – noch rund sieben Kilometer bis zum Elsterschloss. Da es schon Mittag ist, entschliessen wir uns, uns etwas treiben zulassen und gönnen uns ein paar Riegel und frisches Obst, bevor es weiter geht. Gegen halb vier erreichen wir die Strassenbrücke in Elsterwerda mit Blick auf das Elsterschloss. Um frisches Brot zu besorgen laufe ich Richtung Markt und frage eine junge Frau mit Hund nach einem geöffneten Supermarkt. Quer über dem Marktplatz, hinter der Volks- und Raiffeisenbank, findet sich ein Pennymarkt. Im schräg gegenüber liegenden Imbiss fasse ich noch zwei Minidöner zu 1,50 € ab und kehre zum Boot zurück. Wir lassen es uns schmecken und verpacken den Rest, bevor es weiter geht. Nur einige hundert Meter weiter queren wir die Eisenbahnbrücke, an der Thomas damals eingesetzt hatte. Kurz dahinter, aber wohl kaum wirklich ein Kilometer, auf der linken Seite die Einmündung der Pulsnitz. Als nächstes passieren wir Saathain, dann die Orte Haida auf der rechten und Würdenhain auf der linken Flussseite. Gut zu sehen auch die Mündung der grossen Röder am linken Ufer. Etwa zwei Kilometer weiter dann Prischka, das sich ebenfalls durch eine Strassenbrücke ankündigt. Die Einmündung der alten Röder kurz darauf am linken Ufer ist kaum wahrnehmbar und erinnert eher an einen spärlich Bachzufluss, zumal auch der angegebene Kilometer zumindest im Abstand zur Brücke zu kurz erscheint. Noch einmal zieht es sich etwas mit der Paddelei bis Bad Liebenwerda. Rechts bzw. links der Elster gibt es Radwege mit zahlreichen Rastplätzen für Radfahrer – leider in den meisten Fällen auf Grund der steilen Ufer für Paddler nicht nutzbar. Dann kommt das relativ neu aussehende Wehr von Bad Liebenwerda in Sicht. Am linken Ufer gibt es hier inzwischen sogar eine bequeme betonierte Ausstiegsmöglichkeit, die allerdings dem Ausbooten nicht grad förderlich ist. Wir ziehen es vor unseren Kanadier daneben über die Wiesenkante zum Umtragen herauszuziehen. Die Umtragemöglichkeit selbst ist fast optimal. Leider gestaltet sich das Einsetzen unterhalb des Wehres auch nicht so einfach. Das Ufer ist recht steil und wer mag schon sein Boot über mehrere Betontreppenstufen zu Wasser schicken, wenn es nicht sein muss. Allerdings lässt es sich dann wieder gut einsteigen. Links hinterm Wehr sieht man dann auch das Spassbad des Ortes. Thomas hatte in seinem Bericht noch ein Wehr in Wahrenbrück beschrieben, was aber schon seit Jahren nicht mehr existiert und einer Strassenbrücke gewichen ist. Anscheinend ist er hier einer Verwechselung aufgesessen. Das nächste Wehr erreichen wir bei Neumühl, etwa zweieinhalb Kilometer hinter Wahrenbrück. Links existiert inzwischen ein zwar hochgelegener, aber zum Aussteigen recht gut geeigneter Steg. Während ich noch das Wehr und die Umtragemöglichkeit inspiziere, komme ich mit zwei Männern, die auf der Strassenbrücke vorm Wehr stehen ins Gespräch. Nach meiner Einschätzung wäre das Einbooten auf Grund des steilen Ufers ohnehin nicht so lustig und die Beiden empfehlen mir ein Einsetzen im Mühlgraben an der Neumühle, einem technischen Denkmal, wo sich auch ein Kanuverleih befindet. Da es nur etwa hundert Meter linkerhand vom Fluss entfernt ist, nutzen wir die Gelegenheit auf dem Hof der Mühle an einem Steg einzusetzen, was erst einmal deutlich problemloser als hinterm Wehr von statten geht und uns für ein kurzes Stück den schönen, an den Spreewald erinnernden Mühlgraben, durchpaddeln lässt, der wenig später wieder in die Elster mündet. Nur wenige hundert Meter weiter mündet rechts ein Einfluter, an dem wir ausbooten und unser Nachtlager aufschlagen. Auch hier sind die Elsterauen vom letzten Hochwasser immer noch recht pampig und so sehen wir inzwischen auch aus. Wir kochen Abendbrot und lassen uns auch noch heissen Tee mit Schuss schmecken. Immerhin ist es nicht ganz so kalt wie am Vorabend.

 

 

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Heute, am Ostersonntag, heisst es zeitig aufstehen und ich schmeisse Marion schon gegen halb sieben aus dem Schlafsack. In der Nacht hat es heftig geregnet. Zwar war ich schon gegen sechs wach, hatte aber wegen des Dauerregens auch nicht viel Lust zum Aufstehen. Aber es wird zunehmend besser. Zwar habe ich inzwischen den Kocher schon verpackt und wir müssen auf unseren Cappuccino verzichten, doch dem Frühstück tut das keinen Abbruch. Zwar müssen wir das Zelt nass einpacken, aber insgesamt ist das Wetter wieder trocken, wenn auch immer wieder Windböen aufkommen. Keine zwei Kilometer weiter passieren wir das Wehr in Uebigau, dass gezogen ist und das wir so ohne weiteres durchqueren können. Kurz darauf passieren wir die Strassenbrücke von München. Am rechten Ufer eine alte Mühle mit Mühlgraben und Wehr, das am rechten Ufer einmündet. Hinter der Brücke am linken Ufer zelten ein paar Paddler – man grüsst sich und wir ziehen vorbei. Bis Herzberg folgt ein relativ angenehmer Flussabschnitt, den die eine oder andere älter erscheinende Brücke quert. Rechter Hand sieht man bereits von weitem die grossen Silos eines landwirtschaftlichen Betriebes. Bald darauf kommt das Wehr von Herzberg in Sicht. Links befindet sich etwa hundert Meter vorm Wehr ein Anlagesteg, wo man zumindest aussteigen kann und das Boot zum Wehr treideln kann, um es kurz davor rauszuziehen. Wir hatten Glück und konnten das Wehr fahren, da es gezogen war und kein Hindernis existierte. Nebenbei bemerkt hat man einen schönen Blick auf die Kirche des Ortes. Nach der Unterquerung einer Eisenbahnbrücke nähert man sich nach einer S-Kurve der Strassenkreuzung von und nach Luckau, Torgau, Wittenberg, Jüterbog, Bad Liebenwerda, etc., wo auf der linken Seite der Kreuzung die Elsterbrücke die Verbindung herstellt. Auch dahinter schlängelt sich die Elster in engen Kehren dahin. Nach ungefähr vier Kilometer naht Frauenhorst, dessen Kirchturm sich schon von weitem am linksseitigen Ufer ankündigt. Erst glaube ich, dass das Wehr auch ohne weiteres zu durchpaddeln ist, da es aussieht, als ob die Staublätter gezogen wären, doch das Rauschen wir wenige Meter vorher trotz des ständig blasendes Windes immer lauter. Wir landen rechts an und ich sehe es mir an. Da das Wasser in weitem Bogen über die Wehrkante schiesst, beschliesse ich es zu fahren. Marion bleibt am Ufer, so stellt sich die Bootsspitze etwas auf, was hier hilfreich sein kann. Es geht knapp einen halben Meter runter. Ich nehme Anlauf und just in dem Moment, wo ich durch das rechte Tor fahren will, bläst eine Windbö gegen das Kanu und stellt es schräg, doch es gibt kein zurück mehr. Schräg schiesse ich durch das Tor und patsche unterhalb der Wehrkante ins Wasser, nehme einen ordentlichen Schwall Elsterwasser auf und steuere aber gut behalten das rechte Ufer an, um Marion wieder einsteigen zu lassen.

 

  Das Ziel Elster/Elster

 

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Die nächste „Überraschung“ erwartet uns erst in Arnsnesta, wo Thomas an der Strassenbrücke damals seine Tour beendete. Das Wehr davor ist zu unserem Glück auch wieder gezogen und ohne Probleme fahrbar. Hinter Arnsnesta beginnt einer der schönsten Flussabschnitte durch die Annaburger Wald- und Heidelandschaft. Mehrere Sohlschwellen folgen, die bei diesem Wasserstand nur Spass machen und die Strömungsgeschwindigkeit heraufsetzen, bei niedrigem Wasserstand, z.B. im Sommer, aber durchaus Probleme bereiten können. Bis Schweinitz sind es ungefähr fünf, sechs derartige Hindernisse. Die Bewölkung nimmt inzwischen zu und ab und an nieselt es. Kurz vor Löben beginnt es zu regnen, da kommt uns die Strassenbrücke als Rastplatz gerade recht. Wir landen rechts an und booten aus, obwohl alles total verschlammt ist. Endlich Mittag und trocken ist es obendrein. Inzwischen giesst es in strömen. Wir halten aus uns lassen uns unser Mittag schmecken. Als der Regen etwas nachlässt brechen wir wieder auf. Immer wieder ziehen dunkle Wolkenbänder über uns hinweg. Mönchenhöfe zieht an uns vorbei und dann kommt die Kirche von Schweinitz und die Strassenbrücke in Sicht. Der Wind nimmt zu und teilweise türmen die Böen Wellen bis zu dreissig Zentimeter auf, die ein vorankommen kaum mehr möglich machen. Wir quälen uns Meter um Meter voran. Die Kirche von Jessen und die Schlosssilhouette kommen in Sicht, dann die Eisenbahnbrücke und immer wieder der Kampf um jeden Meter vorankommen. Fast bin ich soweit aufzugeben, da lässt der Wind nach und wir queren die neue Fussgängerbrücke vom Markt zum Festplatz und kurz darauf die Strassenbrücke nach Annaburg. Dahinter weitet sich der Fluss in sein Überflutungsgebiet, doch sind hier die Überschwemmungen noch relativ gering. Bald darauf folgen wir dem Flussverlauf in die weiten Flussauen, wo sich der Elsterradweg durch das Naturschutzgebiet windet. Immer grösser werden die überfluteten Wieseflächen, die Seenlandschaften ähneln. Der Wind bläst uns immer schärfer entgegen und ermöglicht uns fast kein vorankommen mehr. Die Landschaft gleicht mehr einer Seenplatte, als wir uns Gorstdorf-Hemsendorf nähern und den Schlossturm des alten halb verfallenen Gemäuers sehen. Unerreichbar fast, paddeln wir mit letzten Kräften weiter. Das Boot steht teilweise fast quer zur Strömungsrichtung, so stark bläst uns der Sturm entgegen. Wellen gischten auf und überziehen uns mit beständigem Sprühregen. Fast sind wir so weit an der Strassenbrücke auszubooten, doch Listerferda ist am Rande einer schier endlosen Seenplatte in Sicht und auch in weiter Entfernung ahnt man die ersten Häuser von Elster, so das wir uns zum Weiterpaddeln entschliessen. Das ganze Mündungsgebiet ähnelt einem einzigen See und der eigentliche Flussverlauf ist nur zu erahnen. Wir nehmen eine „Abkürzung“ über die Elbwiesen und erreichen nach einer weiteren Viertelstunde Kampf gegen den anstürmenden Wind den Hauptstrom der übervollen Elbe, der uns mit Macht und kraftvoller Geschwindigkeit davon trägt. Hinter der Fähre in Elster nehmen wir jetzt Kurs auf das Bootshaus und legen endlich am Ziel unserer Tour an. Der Transport des Boote bis zum Haus meiner Eltern, quer durch den Ort, war dann eher eines unserer kleineren Probleme.