Höhlen in der Sächsischen Schweiz

 

Es war wiedereinmal eines jener Wochenenden, die leider viel zu selten sind. Wir, das sind eine lockere Truppe aus Guben, die sich ab und an in mehr oder weniger gleicher Besetzung zum Klettern, Bergsteigen, Biken oder auch Kanufahren trifft,  haben uns für ein Kletterwochenende verabredet. Treffpunkt Sonnabend 9 Uhr Parkplatz Bielatal. Die Woche über scheint die Sonne auf das Beste und läßt in uns die Vorfreude auf ungeahnte Höhen schnellen. Ein Teil ist schon am Freitag voraus gefahren. Wir beschließen Sonnabend schon früh aufzustehen um den Termin zu halten.

Es ist kurz vor fünf als der Wecker klingelt. Wir wecken die Kinder, frühstücken und beladen mit den vorgepackten Sachen das Auto. Der Himmel ist zu meinem Verdruß grau in grau und zu allem Überfluß beginnt es genau zur Abfahrt leise an zu regnen. Ich bin nahe dran alles wieder auszupacken. Da ich die Anderen aber unten im Bielatal weis, fahren wir doch - machen wir halt das Beste drauß.

Es regnet immer stärker je weiter wir nach Süden kommen. Die Scheibenwischer schaffen die Wassermassen kaum - und wir wollen boofen. Hinter Bautzen wird es etwas besser, die Wolken reißen ein wenig auf. Vielleicht ein Hoffnungsschimmer, daß das Wochenende zumindest klettermäßig doch noch nicht ganz verloren ist.

Mit einer halben Stunde Verspätung treffen wir am Parkplatz ein. Kein Grund zur Hektik, alle anderen sind auch noch nicht weiter. Wir beratschlagen kurz und beschließen ob der nassen Felsen doch auf eine „Schlechtwettervariante", die ein Vorschlag von Thomas ist, zurückzukommen - es geht in die entgegengesetzte Richtung - nach unten!

Schnell ist das Kletterzeug zusammengepackt und wir marschieren weiter ins Tal. Noch ein Wort zu den Höhlen in dieser Gegend. Ein ganz Teil so bekannter „Höhlen" wie der Kuhstall (Großer Zschand), Kleinsteinhöhle, Bennohöhle und Schwedenloch (beide Bielatal) u.s.w. sind touristisch erschlossen, ausgeschildert und für jedermann ohne Aufwand zu betreten. Während Kuhstall und Kleinsteinhöhle eher Felsbögen sind, bilden das Schwedenloch und die Bennohöhle schon mehr oder weniger große (und auch dunkle) Felsenlöcher. Dies hat jedoch mit den von uns gesuchten Höhlen nichts gemein, wie ihr später noch sehen werdet. Ein zusammenfassendes Werk zu den Höhlen in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz gibt es von Winkelhöfer.

Aber zurück ins Bielatal: Unser Weg führt uns hinter dem Imbiß an der Ottomühle den Fahrweg rechts in das Tal hinauf. Hinter den Wiesen am Waldanfang zieht sich ein Weg links hinauf in den Wald, dem wir folgen. Den Weg zur Bennohöhle, die unser erstes Ziel ist, findet man durch die gute Ausschilderung leicht. Ein kurzer Abstecher in das dunkle Innere muß dann aber doch sein. Nach etwa 7 bis 8 Metern ist in dem gut begehbarem Hohlraum Schluß. Wir gehen oberhalb der Bennohöhle am Massiv weiter. Nach einigen hundert Metern Weg EingTH.JPG (11437 Byte)soll hier irgendwo die „Tiefe Höhle" sein. Alles studieren des Führers bringt uns nicht so recht weiter. Wir sind uns sicher an der richtigen Stelle zu stehen, können aber den Eingang nicht finden. Da wir laut Beschreibung ein „Scheunentor" von ca. 5 m Eingangsbreite erwarten fällt vorerst niemand der schmale Spalt in der ca. 5m breiten Felswand !!! auf. Wir suchen alles ringsum ab, steigen sogar in ein kleineres Felsenlabyrinth ein und landen zum Gelächter aller nach ca. 10 Metern wieder an der Vorderseite. Jetzt hat uns der Eifer gepackt. Immer wieder ziehen wir die Kreise um die vermeintliche Eingangsregion, lesen wieder und wieder im Führer nach, vergleichen die Geländeangaben und sind uns sicher an der richtigen Stelle zu sein. Schließlich kriechen Andreas und Olaf ein Stück in eine Spalte vor der wir schon gutKamin_TH.JPG (7975 Byte) eine Stunde stehen und - es ist der Eingang (man sollte also einfach den Führer besser lesen). Ein schmaler ca. 3 Meter hoher und vielleicht 50 cm breiter Spalt, dessen Inneres sich im Dunkeln verliert. Schnell wird alles fertig gemacht und wir steigen nacheinander ein. Irr zucken die Stirnlampen im Dunkeln. Hinter dem schmalen Eingang folgt ein etwas breiterer Raum von dem ein schmaler niedriger Durchschlupf nach links abzweigt. Über einige Blöcke durchqueren wir im Halbdunkeln einen größeren Raum (Eisraum), an dessen Ende wir ein kleines schmales Loch finden, durch dessen folgenden engen Kamin wir uns abwärts quetschen. Klaus.JPG (6423 Byte)Dahinter ist wieder etwas mehr Luft und wir seilen uns einen schrägen Kamin abwärts bis auf einen Absatz. Hier findet man auch in einer Höhlung rechts das Höhlenbuch. Leicht schräg geht es jetzt noch ein kleines Stück hinunter bis in eine enge Kammer, die auch das Ende der ca. 22,5 m tiefen Höhle markiert. Auch die Kinder werfen einen Blick hinein. Danach ist Abmarsch. Klaus_TH.JPG (6592 Byte)Da alle hungrig sind und „erstaunlicherweise" heute niemand so rechte Lust zum Kochen hat (das Kochzeug liegt schließlich im Auto auf dem Parkplatz und da muß man ohnehin am Imbiß vorbei - wo das Schwarzbier lockt), beschließen wir am Imbiß Mittag zu essen. Leider haben zu unserem Leidwesen die bis dahin moderaten Preise übers Jahr angezogen. Aber egal - vorerst schmeckt - uns Bier und Leberkas, den Kindern Wurst und Eis - also was soll's. Es kommt wie es kommen mußte, da wir uns ob der aufgelockerten Bewölkung schon den Gedanken an abendliches Klettern hingegeben hatten und sogar schon den Kletterführer „wälzten", belehrt uns Freund Petrus kurzfristig eines Besseren und läßt es ersteinmal wieder etwas feuchteln. Ein paar Unentwegte (oder Leichtsinnige!?) sind zwar in den Felsenauszumachen, aber da wir schon einmal so erfolgreich unter der Erde tätig waren, beschließen wir unsere Exkursion fortzusetzen.

MTT.jpg (9700 Byte)Eintrag ins Höhlenbuch der Tiefen Höhle

Diesmal gehts in den linken Talarm vorbei an der Hütte des Sächsischen Bergsteigerbundes in Richtung Eislochtürme. Doch schon vorher unterhalb des Prometheus halten wir, da uns Thomas das „Farnloch „zeigen will. Ein Irrtum, wie sich später noch herausstellen soll.

Maria_Tini_RH.JPG (8275 Byte)Erstmal steigt Thomas ein und legt Seil. Andreas und ich quetschen uns hinter ihm durch das etwa 40 cm große Loch ins Dunkle. Aber was sage ich von wegen quetschen, gegen den am unteren Ende des hinter dem ca. 2 m steil abfallendem Eingangsraum befindlichen Durchgangsspaltes von vielleicht 25-30 cm Stärke, war der Eingang ein Portal. Abseilen_RH.JPG (5386 Byte)Thomas hat die Strickleitern und das Seil vorbereitet. Wir lassen uns am Abseilachter durch den engen Spalt rutschen. Ich fühle mich wie ein Pfropfen in einer Weinflasche, der nach entsprechendem Druck von oben reinrutscht. Erst einige Meter tiefer frage ich mich dann, wie ich da jemals wieder raus kommen soll. Doch jetzt gehts ersteinmal vielleicht 10 bis 15 Meter steil abwärts. Unten landen wir auf einer etwa  2 Quadratmeter großen Fläche, von der es leicht schräg nochmals ein paar Meter abwärts geht. Thomas meint, daß unten noch ein Spalt ist, wo es nach ein paar Metern nicht mehr weiter geht und es sich eigentlich nicht lohnt reinzukriechen - doch ich bin neugierig. Am Ende der Kammer schiebe ich mich mit den Beinen voran in ein schmales Loch, dahinter folgt eine Kluft von etwa 3 Meter Länge. Doch das angekündigte Ende ist nicht zu sehen. Ich schiebe unter einigen Schwierigkeiten meinen Kopf durch einen weiteren Spalt und sehe, daß es zum einen noch weiter nach unten geht, wobei die Sicht auf Grund der Enge nicht sehr gutKlaus_RH1.JPG (5794 Byte) ist und zum anderen waagerecht ein Gang weiterführt. TB.jpg (6671 Byte)Nachdem ich zurückgekehrt die Neuigkeiten verkünde, beschließen wir dem waagerechten Gang zu folgen und noch ein Seil zu holen. Da wir nicht genügend Strickleitern haben, verzichten wir auf den weiterenVorstoß nach unten (was aber nachgeholt wird).Spalte.JPG (7139 Byte) Der Gang führt endlich horizotal noch etwa 8 Meter weiter und endet nach einer Linksbiegung in einem schmalen etwa 6-8 Meter hohen Raum, wo nicht zu sagen ist, wieweit er dort oben weiter führt. Da es in der Zwischenzeit auch schon nach fünf ist und wir auch noch einige nachholen wollen, beschließen wir uns die weiteren Erkundungen für ein nächstes Mal aufzuheben, denn wir müsse auch noch Nachtquartier organisieren.

Olaf_RH.JPG (8851 Byte)Olaf im Quergang der J.-Ruscher-Höhle

Lange diskutieren wir noch die Ereignisse des Tages und kommen zu der einhelligen Meinung, das die Höhle für das Farnloch doch etwas groß ist. Erst am Sonntag abend meldet sich Olaf mit der überraschenden Erkenntnis, daß wir mit ziemlicher Sicherheit in der Johannes-Ruscher-Höhle waren, die mit etwa 41,5 Metern Tiefe und ca. 83 Metern Länge beachtliche Maße aufweißt. Auf die „falsche Spur" hat uns eine wahrscheinliche Verwechselung der Kletterfelsen im Höhlenführer gebracht. Aber das werden wir bei einer der nächsten Touren im Herbst überprüfen und hier an gleicher Stelle dazu berichten.

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